Was Pag zu Pag macht

Wenn Sie einen Spaziergang von Košljun Richtung Stadt Pag auf der alten, nicht asphaltierten Schotterstrasse vornehmen, werden Sie nach zehn bis fünfzehn Minuten die Salzbecken der Saline Pag erblicken. Salzgewinnung ist seit jeher einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige der Insel. Zum ersten Mal wurde sie in einer Urkunde aus dem Jahr 999 erwähnt. Doch nicht nur für das Salz, auch für ihren Käse ist die Insel weithin bekannt. Dabei hat das eine mit dem anderen zu tun. Die bura, ein starker Nordwind, bringt vor allem im Winter Salz von der Meeresoberfläche über die wilden Kräuter, welche die Hauptnahrung der Schafe darstellen. Auch wenn es heute einige Mischsorten gibt, der echte Pager Käse ist stets ein reiner Schafskäse. Auf der Insel leben vier Mal mehr Schafe als Menschen (35.000 im Verhältnis zu 8.000). Abgesehen vom Essen ist Pag für seine Spitzenwirkerei berühmt. Große Verdienste für die Verbreitung dieser Handarbeit unter den Mädchen und Frauen von Pag gebührte in der Geschichte den Benediktinerinnen vom Kloster Sv. Margarita.

Den wichtigsten archäologischen Fund der Insel birgt die Stadt Novalja. Es geht um eine 1042 Meter lange, in Stein gemeißelte Wasserleitung aus römischer Zeit, deren Eingang man im Stadtmuseum besichtigen kann. Das Aquädukt, im Volksmund Talijanova buža  (das Loch des Italieners) genannt, wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, als ein Kind hineingefallen war. Novalja ist auch ein Ort des Amüsements. Partymeilen und Clubs am nahe gelegenen Strand Zrće ziehen vor allem junge Leute aus aller Herren Länder an.

Last but not least: Der Verfasser der ersten kroatischen Grammatik ist ein Pager, der Jesuit Bartul oder Bartol Kašić (er selbst schrieb sich nach damaliger Orthographie Bartolomeo Kassicch oder Lateinisch Bartholomaeus Cassius). Kašić veröffentlichte seine Grammatik der „illyrischen“ Sprache im Auftrag des Heiligen Stuhls 1604 in Rom. Das Buch war für die katholische Missionierung gedacht. Daher orientierte sich der Autor der Grammatik nicht in erster Linie am čakavischen Dialekt Pags und Dalmatiens, sondern am im Südosten Europas weit stärker verbreiteten Štokavischen, das er in Bosnien kennengelernt hatte. Das Štokavische bildet die Grundlage der heutigen Standardsprachen Kroatisch, Serbisch, Bosnisch und Montenegrinisch. Mitten in der Alstadt von Pag steht das Geburtshaus des wohl berühmtesten Pagers.